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Rohstoffe: die harten Zahlen

Das Überfluss-Szenario scheitert nicht an der Technik, sondern am Planeten. Vier Tabellen mit dem Stand April 2026: ökologischer Fußabdruck, was KI selbst verbraucht, die globale Reservenbilanz und Deutschlands konkrete Abhängigkeiten.

ThemaDeutschland & die WeltSchon heute9 Min Lesezeit

Stand: 10. September 2026

Dieser Artikel ist ein Nachschlagewerk. Er sammelt die harten Zahlen zur Ressourcenlage — Stand April 2026 — in vier Tabellen, damit man sie an einer Stelle wiederfindet, statt sie in fünf Texten zu suchen. Wer die Einordnung sucht, liest danach Zwei Arten von Knappheit.

Einfach gesagt

Das Versprechen „bald ist alles im Überfluss da" scheitert nicht an der Technik. Es scheitert an Kupfer, Strom, Wasser, Phosphor und daran, dass es nur eine Erde gibt. KI ist dabei nicht neutral: Sie ist selbst einer der größten neuen Verbraucher.

1. Der ökologische Fußabdruck

KennzahlWert
Verbrauch der Menschheit 1,8 Erden — der Verbrauch übersteigt die Regeneration um 80 Prozent
Earth Overshoot Day 202524. Juli (zum Vergleich 1971: 29. Dezember)
Bei deutschem Konsumniveau weltweitrund 3 Erden
Bei US-Konsumniveau weltweitrund 4 Erden
Tatsächlich vorhandeneine

2. Was KI selbst verbraucht

Ein verbreiteter Denkfehler behandelt KI als etwas Immaterielles. Rechenzentren, Netze und Roboter sind aber massiv physisch — KI ist selbst ein massiver Ressourcenverbraucher, nicht ressourcenneutral:

RessourceBedarf und ZeitraumEinordnung
Strom (Rechenzentren) +165 % bis 2030: von 55 auf 142 GW Dauerlast, rund 945 TWh pro Jahr das 1,8-fache des gesamten deutschen Stromverbrauchs
Wasserbis 6,6 Mrd. m³ pro Jahr bis 2027 Kühlung; konkurriert regional mit Landwirtschaft und Trinkwasser
Kupfer 330.000–420.000 t pro Jahr für Rechenzentren, plus 1,1 Mio. t für die Netzanbindung IEA-Prognose: Kupferknappheit ab 2029–2035
Lithium+173 % bis 2030 allein für Backup-Speicher Roboter-Akkus kommen zusätzlich obendrauf
Seltene Erdenüber 90 % der Verarbeitung in China kein Mengen-, sondern ein Verarbeitungs- und Machtproblem

3. Die globale Reservenbilanz

RohstoffReichweite und KonzentrationWarum er zählt
Erdölrund 47 Jahre Reichweite; OPEC hält über 70 % der Reserven weiterhin Basis von Verkehr, Chemie und Kunststoffen
Eisenerzreichlich vorhanden, Exporte von Australien und Brasilien dominiert Basis allen Stahls — also aller Fabriken und Roboter
Kupferrund 45 Jahre nominal; faktischer Engpass ab 2029–2035 jede Elektrifizierung und jedes Rechenzentrum hängt daran
Phosphor die unbekannte Bombe 70 % der Reserven in Marokko und der Westsahara kein Substitut: kein Phosphor, kein Pflanzenwachstum. Die Preisexplosion 2008 (50 → 450 USD/t) löste Hungerunruhen aus
Lithium und seltene Erdengeologisch vorhanden, geopolitisch hochkonzentriert Speicher, Motoren, Aktuatoren — die Hardware der dritten Welle

4. Deutschlands konkrete Verwundbarkeit

AbhängigkeitZahlWas daran hängt
Seltene Erden über 65 % aus einer Einzelquelle (China), null inländische Trennkapazität Oktober 2025: chinesische Exportkontrollen führten zu Produktionsstopp-Warnungen der Autoindustrie
LithiumBDI-Schätzung: ein vollständiger chinesischer Exportstopp gefährdet 115 Mrd. Euro Wertschöpfung Batterien, Speicher, Elektromobilität
DüngemittelRussland 2025 noch 36,3 % Importanteil die unsichtbare Achse der Nahrungsmittelversorgung
HalbleiterFertigung konzentriert in Taiwan und Südkorea ohne Chips keine KI, keine Steuerung, keine Robotik
Energienicht autark jede KI- und Robotik-Strategie hängt an fremden Entscheidungen

Drei strategische Engpässe jeder deutschen KI-Strategie lassen sich daraus zusammenfassen: Halbleiter (Taiwan, Südkorea), seltene Erden (China) und Energie (nicht autark). Was daraus politisch folgte — Reserven, Recycling, Energie-Souveränität —, steht in Was Politik jetzt tun müsste.

Wie man diese Zahlen liest

Reichweiten wie „47 Jahre" sind keine Ablaufdaten. Sie sagen: Bei heutigem Verbrauch und heutigen bekannten Reserven reicht es so lange. Beide Größen ändern sich — neue Funde verlängern, steigender Verbrauch verkürzt. Der wirksame Engpass tritt fast immer früher ein als die nominale Reichweite, weil Förderkapazität, Verarbeitung und Politik früher an Grenzen stoßen als die Geologie. Genau das beschreibt die Kupferzeile: 45 Jahre nominal, Engpass ab 2029.

Der Beschleuniger, der hier nicht ausgeführt wird

Eine Wirkung fehlt in diesen Tabellen bewusst, weil sie an anderer Stelle ausführlich steht: Wenn Roboter die Extraktion übernehmen, fällt die menschliche Bremse weg — automatisierte Minen fördern rund um die Uhr ohne Lohn. Effizienzgewinne führen dann nicht zu weniger Verbrauch, sondern zu mehr (Jevons-Paradox). Das ist der Kern des Teils „2045" im Alltags-Szenario, und es ist der Punkt, an dem Musks „quasi-infinite economy" zerbricht (Musk im Economist-Interview).

Was heißt das für dich?

  • Nutze die Zahlen als Prüfstein. Wer „Überfluss für alle" verspricht, muss sagen, woher Kupfer, Strom und Wasser kommen. Fehlt diese Antwort, ist das Versprechen unvollständig — unabhängig davon, wer es gibt.
  • Rechne mit Preissprüngen, nicht mit Knappheitsdramen. Rohstoffengpässe zeigen sich zuerst als teure Jahre und Lieferzeiten, nicht als leere Regale. Wer Anschaffungen mit langer Lebensdauer plant, zieht sie eher vor als auf.
  • Reparieren und Weiterverwenden ist keine Moral, sondern Rechnen. Bei Lithium und Kupfer liegen die Recyclingquoten unter 10 Prozent — jedes länger genutzte Gerät ist real wirksam.
  • Nimm die gute Seite mit: Physische Grenzen sind auch ein Bremsklotz gegen allzu schnelle Umbrüche. Sie verschaffen genau die Zeit, die man für Vorbereitung braucht.

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